Chainalysis zählt 138 Millionen Kleinstzahlungen von KI-Agenten über x402

Chainalysis zählt 138 Millionen Kleinstzahlungen von KI-Agenten über x402

Das Analyseunternehmen Chainalysis zählte mehr als 138 Millionen Zahlungen über x402, einen Zahlungsstandard, den Coinbase 2025 für selbstständig abrechnende Software einführte. Über 87 Prozent dieser Zahlungen lagen unter zehn US-Cent. Andere Forscher stellen infrage, wie viel dieses Verkehrs tatsächlich von KI-Agenten stammt. Für Privatnutzer ändert sich vorläufig nichts.

Das Blockchain-Analyseunternehmen Chainalysis berichtete am Mittwoch, dem 14. Oktober, dass über x402 mehr als 138 Millionen Zahlungen abgewickelt wurden. Den Zahlungsstandard hatte Coinbase 2025 eingeführt. Die Zahlen stammen aus dem Nordamerika-Kapitel des jährlichen Berichts Geography of Cryptocurrency. Mit einem KI-Agenten ist Software gemeint, die eine Aufgabe selbstständig ausführt, ohne dass ein Mensch jeden Schritt bestätigt. x402 erlaubt solcher Software, automatisch einen kleinen Betrag in Stablecoins zu bezahlen, bevor ein Onlinedienst antwortet; ein Stablecoin ist eine Kryptowährung, die einen festen Wert halten soll, meist einen US-Dollar. Alle erfassten Zahlungen liefen über Base, die Blockchain von Coinbase. Mehr als 87 Prozent lagen zwischen 0,0001 und 0,10 US-Dollar.

Der größte Teil des Geldes fließt laut Chainalysis in die Nutzung der KI-Modelle selbst: Pro Anfrage an ein Modell wird ein Bruchteil eines Cents abgerechnet. Daneben bezahlten Agenten für Informationsdienste wie Code-Reviews, Finanzdaten und Such-APIs - eine API ist eine technische Schnittstelle, über die Programme einander abfragen - sowie für Werkzeuge zum Bau von Agenten. Von den geografisch zuordenbaren Zahlungen für KI-Modelle kamen 88,1 Prozent aus Wallets mit US-Bezug. Wallets mit China-Bezug standen für rund 90 Prozent der Zahlungen für Sicherheits- und Code-Analysen. Chainalysis nennt als mögliche Erklärung, dass chinesische Entwickler häufiger offene Modelle einsetzen, die sich kostenlos betreiben lassen.

Auffällig ist, wie schnell neue Wallets zu zahlen beginnen. Die mittlere Zeit zwischen dem ersten Geldeingang auf einer Wallet und der ersten x402-Zahlung sank von 73 Tagen Ende 2025 auf 18 Minuten im dritten Quartal 2026. Der Anteil der Wallets, die innerhalb einer Stunde nach dem Aufladen bereits Ausgaben tätigten, stieg von 4 auf 67 Prozent. Chainalysis liest das als Hinweis darauf, dass Entwickler Agenten mit bereits gefüllter Wallet starten und unmittelbar arbeiten lassen.

Wie viel davon stammt wirklich von KI-Agenten?

Wie viel dieses Verkehrs tatsächlich autonom ist, bleibt offen, und die vorliegenden Zählungen gehen weit auseinander. Chainalysis machte keinen Gesamtwert in Dollar bekannt. Das Analyseunternehmen TRM Labs kam im September auf 198,9 Millionen x402-Abrechnungen im Wert von rund 52,7 Millionen US-Dollar seit Mai 2025, gemessen über die Blockchains Base, Solana und Polygon. Nach Herausfiltern von vermutlich nicht-kommerziellem Verkehr blieben davon etwa 25,6 Millionen US-Dollar übrig, von denen laut TRM nur 0,6 bis 7,5 Prozent als agentengetrieben erkennbar waren. Die Zahlen beider Häuser beruhen auf unterschiedlichen Zeiträumen, Blockchains und Methoden und lassen sich daher nicht eins zu eins vergleichen. TRM weist selbst darauf hin, dass auf einer Blockchain nicht sichtbar ist, ob ein Mensch oder ein Programm den Auftrag gegeben hat: Ein einfaches Skript hinterlässt die gleichen Spuren wie ein echter Agent.

Was bedeutet das für Nutzer?

Wer Kryptowährungen kauft und hält, für den ändert dieser Bericht nichts. x402 ist ein Standard für Entwickler: Die Zahlungen laufen zwischen Programmen, nicht über die App, in der man selbst eine Order aufgibt. Es gibt keinen Schalter, den man umlegen muss, und keine Agenten-Wallet, die man benötigt. Coinbase ermöglicht es Geschäftskunden, Zahlungen von Agenten anzunehmen, doch das richtet sich an Unternehmen und Entwickler, die Onlinedienste anbieten, nicht an Privatnutzer in Deutschland oder Österreich. Wer einem KI-Assistenten doch einmal Zugang zu einem Handelskonto gibt, sollte genau prüfen, was dieser Zugang umfasst. Nur mitlesen (read-only: der Agent sieht das Portfolio, kann aber nichts kaufen oder verkaufen), das tatsächliche Aufgeben von Orders und die vollständige Verwaltung sind drei verschiedene Dinge. Manche Anbieter verlangen eine Freigabe pro Order oder setzen einen Agenten in ein separates Unterkonto mit begrenztem Betrag. Welcher Anbieter was zulässt, verfolgen wir in unser AI Leaderboard.

Der Bericht enthält auch ein europäisches Detail. Am weltweiten Handelsvolumen mit Stablecoins hatten Dollar-Token einen Anteil von 99,1 Prozent, euro-gebundene Token 0,45 Prozent - trotz des europäischen MiCA-Rahmens. Zahlungen zwischen Agenten werden in der Praxis also fast immer in Dollar abgerechnet. Zudem gilt: Eine MiCA-Lizenz betrifft die Plattform als Ganzes. Alle Plattformen auf Trust Your Coin sind MiCA-reguliert, das bedeutet aber nicht, dass einzelne KI- oder Agentenfunktionen gesondert genehmigt oder geprüft wurden.

Die bekannten Risiken bleiben unverändert. Ein Agent benötigt Schlüssel oder Zugriffsrechte, und wer diese Rechte erlangt, kann sie auch missbrauchen. Bei Prompt Injection bringt jemand einen Agenten über versteckte Anweisungen in einem Text oder auf einer Website dazu, etwas zu tun, was der Eigentümer nicht will. Software, die ohne Aufsicht Orders aufgibt, kann einen Fehler wiederholen, bevor jemand eingreift. Und wer haftet, wenn ein Agent Schaden anrichtet, ist juristisch noch nicht geklärt. Eine Übersicht der Plattformen, die in Europa aktiv sind, finden Sie in unserer Übersicht der Exchanges.

Dieser Artikel dient ausschließlich zur Information und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Kryptowährungen sind mit Risiken verbunden.