Circle fordert von Brüssel eine Lockerung der MiCAR-Reserveregeln für Stablecoins
Der Stablecoin-Emittent Circle will, dass die Europäische Kommission die Reserveregeln von MiCAR ändert. In einer Stellungnahme zur Evaluierung der Verordnung fordert das Unternehmen, die Pflicht zu streichen, mindestens 30 Prozent der Reserven bei Geschäftsbanken zu halten, und verlangt Spielraum dafür, Token gemeinsam mit ausländischen Schwestergesellschaften auszugeben. Nach Angaben von Circle sind von den größten Stablecoins weltweit derzeit nur drei MiCAR-reguliert. Auch das Hyperliquid Policy Center reichte eine Stellungnahme ein, in der es um die Einordnung von Perpetual Futures geht.
Der Stablecoin-Emittent Circle hat die Europäische Kommission aufgefordert, die Reserveregeln für Stablecoins unter MiCAR zu überarbeiten. Das Unternehmen tat dies in einer Stellungnahme zur Evaluierung der Verordnung; die Konsultation endete am 30. September 2026. Circle plädiert unter anderem dafür, die Vorgabe zu streichen, nach der Emittenten von E-Geld-Token mindestens 30 Prozent ihrer Reserven bei Geschäftsbanken halten müssen. Nach Auffassung des Unternehmens erhöht diese Pflicht das Risiko, statt es zu begrenzen.
Unter MiCAR fallen Stablecoins, die an eine einzelne Währung wie den Euro oder den Dollar gekoppelt sind, in die Kategorie der E-Geld-Token (EMT). Für diese Kategorie gilt, dass ein Teil der Reserven bei Kreditinstituten liegen muss: mindestens 30 Prozent und 60 Prozent, wenn die Europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA einen Token als 'signifikant' einstuft. Hinzu kommen Grenzen für das Engagement gegenüber einzelnen Gegenparteien. Circle nennt in seiner Stellungnahme zudem eine Obergrenze von 35 Prozent für das Engagement gegenüber einem einzelnen Staat und eine Grenze von 1,5 Prozent der Bilanzsumme einer einzelnen Bank.
Zur Begründung verweist Circle auf die eigene Erfahrung aus dem Jahr 2023, als 3,3 Milliarden Dollar der rund 40 Milliarden Dollar an Reserven bei der Silicon Valley Bank lagen. Eine hohe verpflichtende Bankkomponente erhöhe dadurch gerade das Kredit- und Gegenparteirisiko gegenüber dem Bankensektor. Circle bittet die Kommission, diese Vorgabe durch Regeln zu ersetzen, die stärker auf die Qualität und die Handelbarkeit der zugrunde liegenden Vermögenswerte abstellen. Die Obergrenze von 35 Prozent pro Staat mache es nach Darstellung des Unternehmens unmöglich, einen Dollar-Token überwiegend mit US-Staatsanleihen zu decken.
Ein zweiter Punkt betrifft die sogenannte Multi-Issuance: die Ausgabe desselben Tokens durch eine MiCAR-lizenzierte Gesellschaft gemeinsam mit Schwestergesellschaften, die ausländischer Aufsicht unterliegen. Circle will dieses Modell erhalten und warnt, eine Einschränkung würde die Nutzung lediglich aus dem europäischen Aufsichtsbereich heraus verlagern. Darüber hinaus plädiert das Unternehmen für ein Äquivalenzregime, in dem anerkannte ausländische Emittenten über ein in Europa lizenziertes Institut weiter tätig sein können. Von den größten Stablecoins weltweit seien derzeit drei MiCAR-reguliert: USDC, USDG und EURC.
Circle war nicht der einzige Einsender. Das Hyperliquid Policy Center plädiert in seiner Stellungnahme dafür, Perpetual Futures unter MiFID II und nicht unter MiCAR zu fassen, mit dem Argument, das Hauptbuch, in dem eine Transaktion erfasst wird, solle für die Regulierung nicht ausschlaggebend sein. Die Gruppe wendet sich gegen Beschränkungen für Privatanleger nach dem Muster der Regeln für CFDs und verweist darauf, dass eine Handelsplattform mit einem Orderbuch für Perpetuals nicht selbst die Gegenpartei ist. Zugleich schlägt sie vor, dass Plattformen ihre Funding-Methodik, Erhaltungsmargen und Liquidationsschwellen im Vorfeld veröffentlichen.
Für Nutzerinnen und Nutzer europäischer Handelsplattformen ändert sich derzeit nichts: Die Stellungnahmen sind Input für die Evaluierung, die die Europäische Kommission selbst durchführt, und die bestehenden MiCAR-Regeln für E-Geld-Token gelten unverändert weiter. Die Debatte berührt jedoch direkt das Angebot auf europäischen Plattformen, das unter MiCAR bereits angepasst wurde, als Stablecoins ohne Zulassung aus dem europäischen Handel verschwinden mussten. Welche Anbieter in Europa unter MiCAR zugelassen sind, zeigt unsere Übersicht der Krypto-Anbieter.
Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Ein Stablecoin ist kein risikofreies Produkt, und eine feste Bindung an Euro oder Dollar ist nie garantiert.
