Coinbase lässt KI-Agenten jetzt auch Perpetual Futures handeln

Coinbase lässt KI-Agenten jetzt auch Perpetual Futures handeln

Coinbase hat seinen Agentendienst erweitert: KI-Modelle können seit dem 19. Oktober 2026 im Auftrag eines Nutzers auch Perpetual-Kontrakte handeln. Dazu gehören fünf Aktienindex-Kontrakte, die den Berichten zufolge nur in den USA verfügbar sind. Für europäische Nutzer ändert sich vorläufig wenig: Wer nichts einrichtet, merkt nichts.

Coinbase hat am 19. Oktober 2026 mitgeteilt, dass KI-Agenten auf der Plattform auch Perpetual-Kontrakte handeln können. Firmenchef Brian Armstrong erklärte, Nutzer könnten dafür ein Sprachmodell ihrer Wahl anbinden. Zu den dabei genannten Märkten gehören fünf Aktienindex-Kontrakte — US500, Tech100, AI10, China10 und Defense10 — sowie Perpetuals auf mehr als zwanzig Kryptowährungen. Die fünf Indexkontrakte sind den Berichten zufolge nur in den Vereinigten Staaten verfügbar.

Der Dienst heißt Coinbase for Agents. Ein Agent ist in diesem Fall ein KI-Programm, das selbst Schritte ausführt: Es liest zum Beispiel ein Portfolio aus und platziert danach eine Order. Die Anbindung läuft über MCP (Model Context Protocol), eine standardisierte Art, wie ein KI-Modell sich mit einem externen Dienst verbindet, oder über ein separates Kommandozeilen-Programm mit einem API-Schlüssel — einer Art Passwort, mit dem Software Zugang zu einem Konto erhält. Perpetual Futures sind Kontrakte ohne festes Enddatum, mit denen man auf den Kurs eines Basiswerts handelt, meist mit Hebel, sodass Gewinne und Verluste größer ausfallen als der eingesetzte Betrag. Coinbase startete den Agentendienst im Juni mit Krypto und Derivaten und ergänzte im September US-Aktien und ETFs. Als KI-Clients werden Claude, ChatGPT und Grok genannt.

Zu den Einstellungen schreibt Coinbase, dass Nutzer selbst festlegen, auf welche Teile ihres Kontos ein Agent zugreifen darf, dass Ausgabelimits gesetzt werden können und dass eine Freigabe pro Handlung verlangt werden kann. In der Entwicklerdokumentation steht, dass ein fester Bestätigungsschritt pro Order nicht eingebaut ist: Das eine KI-Programm zeigt eine Order zuerst an und fragt nach, das andere platziert sie in einem Durchgang. Coinbase empfiehlt deshalb, diese Freigabe ausdrücklich in die Anweisung an das Modell aufzunehmen. Das Unternehmen warnt zudem, ein Agent könne Fehler machen oder hängen bleiben, selbst wenn er innerhalb der vergebenen Rechte bleibt.

Was bedeutet das für Nutzer?

Für durchschnittliche Nutzer in Deutschland und Europa ändert sich derzeit praktisch nichts. Die fünf Aktienindex-Kontrakte sind den Berichten zufolge auf die Vereinigten Staaten beschränkt. Coinbase bietet seit März 2026 allerdings regulierte Krypto-Futures in 26 europäischen Ländern an, darunter Deutschland, über eine nach MiFID regulierte Einheit; dazu gehören perpetual-ähnliche Kontrakte mit einem Hebel von bis zu 10x auf unter anderem Bitcoin und Ether. Dieser Zugang ist nicht automatisch: Nur Nutzer, die eine Eignungsprüfung durchlaufen, bei der unter anderem Handelserfahrung und Identität geprüft werden, können damit handeln. Ob ein europäisches Konto auch über einen KI-Agenten Orders in diesen Perpetuals platzieren kann, geht aus den Quellen nicht hervor. Wer heute einfach Krypto kauft und hält, muss nichts tun und merkt nichts: Ein Agent kann nur etwas tun, wenn man ihn selbst anbindet und ihm ausdrücklich Rechte gibt.

Wer es doch erwägt, trifft auf eine Kombination von Risiken. Perpetual Futures arbeiten mit Hebel, wodurch eine Position bei einem ungünstigen Kurs zwangsweise geschlossen werden kann und der eingesetzte Betrag verloren geht; hinzu kommen regelmäßige Zahlungen zwischen Käufern und Verkäufern, die die Rendite beeinflussen. Ein Agent bringt eigene Risiken mit: Der Schlüssel, mit dem er handelt, gibt Zugang zu einem Teil des Kontos, und ein KI-Modell kann durch sogenannte Prompt Injection in die Irre geführt werden — durch Text, auf den es unterwegs stößt, etwa auf einer Webseite — und dadurch etwas tun, das nicht beabsichtigt war. Auch ist nicht überall klar, wer haftet, wenn eine automatisierte Order schiefgeht.

Rechtlich läuft dieser Schritt auf zwei Spuren. Coinbase hat in Europa eine MiCA-Lizenz für Kryptodienste; die Futures laufen über eine separate MiFID-Zulassung. Wichtig zu wissen: Eine solche Lizenz sagt nichts über die Agentenfunktionen selbst. Dass ein Anbieter in Europa beaufsichtigt wird, bedeutet nicht, dass seine KI-Anbindung gesondert genehmigt oder geprüft ist. Welche Anbieter derzeit welche Form von Agentenzugang bieten — nur Mitlesen, Orders platzieren oder vollständige Verwaltung — verfolgen wir in unser AI Leaderboard. Eine Übersicht aller Anbieter und ihrer Bedingungen findest du in unserem Vergleich der Exchanges.

Dieser Artikel dient der Information und ist keine Anlageberatung. Investitionen in Krypto und Derivate sind mit Risiken verbunden; der eingesetzte Betrag kann verloren gehen.