MiCA-Überprüfung: Streit um Multi-Issuance entscheidet über USDC in Europa
Die Europäische Kommission überprüft die Krypto-Verordnung MiCA. Eine Kernfrage der Konsultation ist, ob derselbe Stablecoin weiterhin von einem Emittenten innerhalb und einem außerhalb der EU ausgegeben werden darf. Das Europäische Parlament stimmte im Juli mit großer Mehrheit dafür, während die EZB das Modell begrenzen will. Das Ergebnis betrifft USDC und andere Dollar-Token, die europäische Nutzer täglich verwenden.
Die Europäische Kommission überprüft die Krypto-Verordnung MiCA und hat dazu eine gezielte Konsultation gestartet, die Ende August 2026 endet. Eine der Kernfragen lautet, ob MiCA weiterhin für die sogenannte Multi-Issuance offen bleiben soll: derselbe Stablecoin-Token, der sowohl von einem Emittenten innerhalb der EU als auch von einem Emittenten außerhalb der EU ausgegeben wird. Das Europäische Parlament stimmte am 9. Juli mit 390 zu 86 Stimmen dafür, dieses Modell zu erhalten, sofern zusätzliche Schutzmechanismen hinzukommen. Die Europäische Zentralbank und der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) wollen es dagegen einschränken.
Multi-Issuance ist die Art und Weise, wie die größten lizenzierten Stablecoins heute funktionieren. Circle erhielt 2024 über seine französische Einheit als erster globaler Emittent eine MiCA-Zulassung; Paxos gibt seinen Global Dollar über eine finnische Einheit aus. Ein in Paris ausgegebener USDC und ein in den USA ausgegebener USDC sind derselbe Token: untereinander austauschbar und überall einlösbar. Unter MiCAR fallen an Euro oder Dollar gebundene Stablecoins in die Kategorie der E-Geld-Token (EMT) und werden entsprechend beaufsichtigt.
Wovor die EZB warnt
Der Einwand der EZB ist ein Run-Argument. In ihrem Financial Stability Review vom November erklärte die Notenbank, ein Emittent innerhalb der EU könne bei einem gemeinsam ausgegebenen, austauschbaren Token über unzureichende Reserven unter Aufsicht von EU-Behörden verfügen, um alle Einlösungsanfragen zusammen bedienen zu können. Der ESRB ergänzte, dass Inhaber bei einem Run gerade in der EU einlösen würden, weil der europäische Schutz am stärksten ist. Dem steht gegenüber, dass die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) erklärt hat, die bestehenden MiCA-Instrumente könnten dieses Risiko mit ergänzenden Schutzmechanismen tragen. Ein Sprecher der Kommission nannte den Rahmen robust und verhältnismäßig.
Euro-Stablecoins bleiben vorerst klein
Die Debatte findet vor dem Hintergrund eines deutlichen Ungleichgewichts statt. Alle MiCA-konformen Euro-Stablecoins zusammen entsprechen etwa einem Fünftel Prozent des Dollar-Stablecoin-Marktes, wobei EURC von Circle die größte Euro-Münze ist. Von USDC waren nach den eigenen Quartalszahlen von Circle rund 77 Milliarden Dollar im Umlauf. Die EZB bezifferte den Anteil dollargebundener Token auf rund 99 Prozent des weltweiten Stablecoin-Angebots. Eine Einschränkung der Multi-Issuance hätte daher vor allem Folgen für die Dollar-Token, die Europäer bereits nutzen, und würde nicht automatisch zu mehr Euro-Token führen.
Für Nutzer ändert sich kurzfristig nichts. Der Bericht der Kommission wird Mitte 2027 erwartet, Gesetzgebung folgt danach. Die in der Konsultation geprüften Schutzmechanismen reichen von einer Neugewichtung der Reserven im Verhältnis zum EU-Umlauf über die Einlösung über in der EU zugelassene Plattformen bis zu Gleichwertigkeitsanforderungen an die Aufsicht außerhalb der EU. Eine konkrete Änderung tritt allerdings noch in diesem Monat in Kraft: Revolut entfernt USDT für Kunden im Europäischen Wirtschaftsraum und in der Schweiz zum 31. August 2026, da Tether keine MiCAR-Zulassung beantragt hat. Danach noch vorhandene Bestände werden in die Hauptwährung des Kunden umgewandelt.
Alle Anbieter auf Trust Your Coin sind MiCA-lizenziert, welche Stablecoins sie anbieten, unterscheidet sich jedoch je nach Plattform. Eine Übersicht aller Anbieter finden Sie auf unserer Übersichtsseite.
Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Stablecoins sind nicht risikofrei.
