Robinhood hält an Aktien-Token fest, nachdem AMC-Chef einen Handelsstopp fordert

Robinhood hält an Aktien-Token fest, nachdem AMC-Chef einen Handelsstopp fordert

AMC-Chef Adam Aron hat Anfang September öffentlich gefordert, dass Robinhood den Handel mit Token auf die AMC-Aktie einstellt. Robinhood lehnt ab und verweist darauf, dass es sich nicht um Aktien handelt, sondern um tokenisierte Schuldtitel einer Tochtergesellschaft auf Jersey. Der Streit macht deutlich, was europäische Anleger beim Kauf eines Aktien-Token tatsächlich erwerben.

AMC-Chef Adam Aron hat Robinhood aufgefordert, den Handel mit Token einzustellen, die die Aktie der US-Kinokette abbilden. In einem Beitrag auf X vom 3. September 2026 schrieb Aron, Robinhood habe ohne Wissen oder Zustimmung von AMC ein Produkt gelistet, das die Aktie nachbildet – neben Produkten auf nach seinen Angaben mehr als 190 weitere Unternehmen. Er nannte die Praxis verwerflich und kündigte an, die Sache bei der US-Börsenaufsicht SEC vorzubringen. Robinhood wies die Forderung öffentlich zurück.

Aron argumentierte, ein börsennotiertes US-Unternehmen gebe jährlich Millionen für die Einhaltung des Wertpapierrechts aus, während eine Tochtergesellschaft auf Jersey ein Instrument anbieten könne, das der Aktie ähnelt, ohne denselben Pflichten zu unterliegen. Ein paralleler, synthetischer Markt könne aus seiner Sicht die Kontrolle des Unternehmens über die Aktienausgabe schwächen und Käufern Stimmrechte und weitere Aktionärsrechte vorenthalten. Die AMC-Aktie stieg im Verlauf des Schlagabtauschs zeitweise um rund 21 Prozent.

Robinhood-Chef Vlad Tenev antwortete mit der Frage, worin das Problem bestehe. Chief Legal Officer Dan Gallagher, von 2011 bis 2015 Kommissar der SEC, erklärte, das Unternehmen werde den Handel nicht einstellen, und lud AMC ein, Juristen zu schicken. Tenev ergänzte, Robinhood stehe zu den Stock Tokens.

Für europäische Nutzer ist vor allem die rechtliche Konstruktion des Produkts relevant. Nach Robinhoods eigener Dokumentation sind die Stock Tokens tokenisierte Schuldtitel, ausgegeben von Robinhood Assets (Jersey) Limited. Inhaber erhalten wirtschaftliche Teilhabe an der Kursentwicklung der zugrunde liegenden Aktie sowie über die Produktmechanik Anpassungen, die Dividenden nachbilden. Sie besitzen die Aktie selbst nicht, halten kein rechtliches oder wirtschaftliches Eigentum am Unternehmen und erhalten weder Stimmrechte noch Zugang zu Hauptversammlungen oder Bezugsrechte bei Kapitalerhöhungen. Die Instrumente sind nicht nach dem US-amerikanischen Securities Act von 1933 registriert und dürfen US-Personen nicht angeboten werden.

Das Angebot richtet sich damit gerade an Anleger außerhalb der Vereinigten Staaten. Den europäischen Markt bedient Robinhood über die Robinhood Europe UAB in Vilnius, die im April 2025 eine Wertpapierdienstleistungslizenz der litauischen Zentralbank erhielt und diese in die übrigen EU- und EWR-Staaten passportieren kann. Die Aktien-Token werden unter MiFID II angeboten und dort als Derivate eingestuft, nicht unter MiCAR. Diese Unterscheidung ist wichtig: MiCAR regelt Kryptodienstleistungen und Stablecoins, während ein Instrument, das eine Aktie abbildet, dem Wertpapierrecht mit eigenen Informations- und Sorgfaltspflichten unterliegt.

Die Debatte trifft eine breitere Spaltung in der Tokenisierungsbranche. Anbieter, die echte Aktien eins zu eins verwahren und auf einer Blockchain abbilden, halten synthetische Konstruktionen für den Endanleger für ungünstiger. Befürworter verweisen darauf, dass ein bar abgerechneter Token Handel außerhalb der Börsenzeiten und Zugang von außerhalb des US-Bankensystems ermöglicht. Wer in Deutschland, den Niederlanden oder Italien einen Aktien-Token erwerben will, sollte in jedem Fall das Basisinformationsblatt des Anbieters lesen und prüfen, wer Emittent ist und welche Rechte damit verbunden sind. Eine Übersicht der Anbieter und ihrer Produkte findet sich auf der Vergleichsseite von Trust Your Coin.

Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar.