Europäische Aufsichtsbehörden warnen vor Betrugswelle nach MiCA-Frist
Seit dem Ablauf der MiCA-Lizenzfrist am 1. Juli beobachten europäische Aufsichtsbehörden eine Zunahme von Betrugsfällen, bei denen sich Kriminelle als Behörde oder als Kryptobörse ausgeben. Im Visier stehen Kundinnen und Kunden nicht lizenzierter Plattformen, die ihre Bestände zu einem zugelassenen Anbieter umziehen müssen. Die ESMA berichtet, dass ihr Name, ihr Logo und gefälschte Dokumente missbraucht werden. AFM, AMF und ESMA raten, Zulassungen selbst im öffentlichen ESMA-Register zu prüfen.
Europäische Finanzaufsichtsbehörden warnen vor einer Zunahme von Betrugsfällen im Kryptomarkt, seit die MiCA-Lizenzfrist am 1. Juli 2026 abgelaufen ist. Kriminelle geben sich als Aufsichtsbehörde oder als Kryptobörse aus und bringen Kundinnen und Kunden dazu, ihre Bestände auf gefälschte Websites oder Konten zu überweisen. Darüber berichtete die Financial Times auf Grundlage von Gesprächen unter anderem mit der französischen Aufsicht AMF, der europäischen Marktaufsicht ESMA und der niederländischen AFM.
Ausgangspunkt ist der Übergang, den MiCAR selbst ausgelöst hat. Anbieter, die zum 1. Juli keine Zulassung nach der Markets in Crypto-Assets Regulation besaßen, müssen ihr EU-Geschäft abwickeln und ihre Kundschaft auffordern, Guthaben abzuziehen oder zu einem zugelassenen Anbieter zu übertragen. Dadurch erhalten sehr viele Nutzerinnen und Nutzer gleichzeitig eine legitime Aufforderung, ihre Krypto-Bestände zu bewegen – genau die Konstellation, in der sich Betrüger mit gefälschter Identität nur schwer erkennen lassen.
Die Behörden beschreiben ein wiederkehrendes Muster. Betrüger kontaktieren Kunden nicht lizenzierter Plattformen und geben sich als Mitarbeitende einer Aufsichtsbehörde oder einer Börse aus, um anschließend zur Überweisung auf eine von ihnen kontrollierte Website oder ein entsprechendes Konto aufzufordern. Die ESMA teilt mit, dass ihr Name, ihr Logo und gefälschte Dokumente verwendet werden, um solchen Nachrichten einen offiziellen Anstrich zu geben. Die AFM weist darauf hin, dass Verbraucher auf der Suche nach einem lizenzierten Alternativanbieter ein attraktives Ziel darstellen. Aufsichtsbehörden betonen, dass sie Verbraucher nicht unaufgefordert kontaktieren und zur Überweisung auf ein bestimmtes Konto auffordern.
Der Umfang der Umzugsbewegung ist beträchtlich. Das öffentliche Register der ESMA führte Ende Juli 323 zugelassene Krypto-Dienstleister in der EU. Der Datenanbieter VASPnet schätzte zuvor, dass mehr als 1.700 Unternehmen ohne MiCA-Lizenz ihr EU-Geschäft einstellen müssen. Nach Angaben des Blockchain-Analyseunternehmens Chainalysis stieg der weltweite Schaden durch Krypto-Betrug im vergangenen Jahr auf 17 Milliarden US-Dollar, gegenüber 6 Milliarden fünf Jahre zuvor; Identitätsbetrug zählt dabei zu den am schnellsten wachsenden Kategorien.
Große Handelsplattformen wie Kraken, Coinbase und OKX verfügen über eine MiCA-Lizenz und können ihre Dienste über den europäischen Pass in der gesamten EU anbieten. Binance, gemessen am Handelsvolumen die größte Börse der Welt, zog seinen Lizenzantrag in Griechenland zurück und ist damit das prominenteste Unternehmen ohne EU-Zulassung; ein Teil seiner europäischen Kundschaft gehört zu jener Gruppe, die sich nach einer anderen Plattform umsehen muss.
Der Rat der Aufsichtsbehörden läuft auf Prüfung und Gelassenheit hinaus. Sie empfehlen, die Zulassung eines Anbieters direkt im öffentlichen ESMA-Register zu prüfen statt über einen zugesandten Link oder ein Dokument mit Logo, Auszahlungsanweisungen stets über die App oder Website der eigenen Börse zu bestätigen und bei jeder unaufgeforderten Aufforderung zur Übertragung von Geld oder Krypto zurückhaltend zu sein. Die AMF betont zudem, dass eine erzwungene Abwicklung kein Notfall ist und Nutzer sich Zeit nehmen können, einen zugelassenen Anbieter auszuwählen. Eine aktuelle Übersicht der unter MiCA zugelassenen Anbieter findet sich auf unserer Übersichtsseite der Börsen.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Mit dem Handel von Kryptowährungen sind erhebliche Risiken verbunden.
