Coinbase öffnet Handelskonto für KI-Assistenten wie ChatGPT und Claude
Coinbase hat am 22. Oktober sein Handelskonto für KI-Assistenten wie ChatGPT, Claude und Grok geöffnet. Über eine technische Verbindung kann ein solches Programm Kryptopaare, US-Aktien und Futures im Konto des Nutzers handeln. Ob vor jeder Order eine Bestätigung verlangt wird, hängt von der verwendeten KI-App ab. In welchen Ländern die Funktion verfügbar ist, hat Coinbase nicht mitgeteilt.
Coinbase hat am 22. Oktober 2026 sein Handelskonto für KI-Assistenten geöffnet. Nutzer können Programme wie ChatGPT, Claude, Grok und Muse mit ihrem Coinbase-Konto verbinden; der Assistent kann dann in diesem Konto handeln. Solche Programme werden Agenten genannt: Software, die selbst Schritte ausführt, um einen Auftrag zu erledigen, statt nur zu antworten. Die Verbindung läuft über einen MCP-Server (Model Context Protocol), eine feste Adresse, über die ein KI-Programm Zugriff auf die Funktionen eines anderen Dienstes erhält. Coinbase kündigte den Schritt auf X an und nennt das Ganze die "Everything Exchange" für Agenten. In welchen Ländern die Verbindung verfügbar ist, hat das Unternehmen nicht gesagt.
Was ein verbundener Assistent tun kann
Laut der eigenen Dokumentation von Coinbase kann ein verbundener Assistent in mehr als 900 Kryptopaaren handeln, in US-Futures und in dafür infrage kommenden US-Aktien. Außerdem kann er Positionen und Guthaben im Konto einsehen. Zusätzlich kann der Assistent kleine Zahlungen für Marktdaten und Research über x402 leisten, einen Zahlungsstandard, mit dem Software pro Anfrage in Stablecoins abrechnet: digitale Münzen, die an einen festen Wert gekoppelt sind, hier die Dollar-Münze USDC. Orders laufen über Coinbase Advanced Trade, die professionelle Handelsumgebung der Plattform, es gelten also deren Gebühren und Zugangsvoraussetzungen. Der Aktienteil läuft nach den Berichten über einen US-Broker, mit Abwicklung und Verwahrung durch einen US-Dienstleister.
Wie der Zugriff begrenzt ist
Die Begrenzung liegt vor allem im Moment der Verbindung. Beim Verbinden wählt der Nutzer, welche Portfolios — die getrennten Töpfe innerhalb eines Coinbase-Kontos — der Assistent nutzen darf. Coinbase empfiehlt, dafür ein eigenes Portfolio anzulegen und dort nur Geld einzuzahlen, dessen Verlust man verkraften kann. Eine Verbindung lässt sich über die Sicherheitseinstellungen des Kontos wieder entziehen. Was es nicht gibt, ist eine feste Freigabe pro Order auf Seiten von Coinbase. Die Dokumentation hält fest, dass dies je KI-App unterschiedlich ist: Claude zeigt eine Order zunächst an und bittet im Gespräch um Bestätigung, während ChatGPT die Order in einem Zug anlegt. Für die x402-Zahlungen gilt dagegen eine harte Grenze von 5 USDC pro Anfrage, und Coinbase schreibt, dass ein Budget, das man in einer Anweisung mitgibt, kein serverseitig durchgesetztes Limit ist. Die Erlaubnis, Research zu kaufen, ist laut Coinbase außerdem keine Erlaubnis zu handeln.
Was bedeutet das für Nutzer?
Für die meisten Leser in Deutschland und der EU ändert sich heute nichts. Coinbase hat nicht mitgeteilt, in welchen Ländern die Verbindung funktioniert. Der Aktien- und der Futures-Teil sind US-Produkte: Sie laufen über US-Dienstleister, und solche Angebote macht Coinbase in der EU nicht. Für den Krypto-Teil gelten die Zugangsvoraussetzungen von Advanced Trade. Wer verbinden will, muss das selbst einrichten: in der KI-App eine Serveradresse hinzufügen, sich bei Coinbase anmelden und ankreuzen, welches Portfolio der Assistent nutzen darf. Das ist also kein Schalter in der normalen Coinbase-App, sondern ein technischer Schritt, den man selbst geht. Für jemanden, der gelegentlich Krypto kauft und hält, ändert sich nichts, solange dieser Schritt nicht gemacht ist. Und wer ihn macht, sollte wissen: Ob vor jeder Order noch eine Bestätigung verlangt wird, hängt von der gewählten KI-App ab — in einer der genannten Apps passiert das nicht.
Welche Risiken genannt werden
Coinbase nennt selbst eine Reihe von Risiken, und die Berichterstattung tut das ebenfalls. Am häufigsten genannt wird Prompt Injection: Ein Assistent, der eine Webseite oder ein Dokument liest, kann dort versteckte Anweisungen finden und sie ausführen, als hätte der Nutzer sie gegeben. Außerdem kann ein Assistent einen unklaren Auftrag falsch auslegen, und mit zu weiten Rechten mehr tun als beabsichtigt. Da es für den Handel kein von Coinbase durchgesetztes Ausgabenlimit pro Sitzung gibt, liegt die tatsächliche Begrenzung in der Wahl des Portfolios und im Betrag, der darauf liegt. Zur Frage, wer für eine von einem Agenten aufgegebene Order verantwortlich ist, ist in der Berichterstattung zu Coinbase nichts festgehalten. Bei Robinhood, das seit Mai eine vergleichbare Beta betreibt, steht dagegen ausdrücklich, dass der Kunde für jede über sein Konto aufgegebene Order verantwortlich bleibt.
Eine Lizenz für die Plattform ist keine Freigabe der Funktion
Coinbase ist in der EU unter MiCA zugelassen, der europäischen Verordnung für Kryptodienste. Über diese Funktion sagt das nichts. Eine MiCA-Lizenz gilt für die Plattform und die darin beschriebenen Dienste; sie bedeutet nicht, dass eine KI-Verbindung gesondert geprüft oder genehmigt wurde. Aufsichtsbehörden haben sich zu dieser konkreten Funktion nicht geäußert. Allgemein gilt jedoch, dass ein Lizenznehmer, der sein Angebot wesentlich ändert, diese Änderung erneut auf Risiken bewerten muss. Aus einer MiCA-Lizenz lässt sich also nicht ableiten, dass das Handeln durch einen KI-Assistenten reguliert oder beaufsichtigt ist.
Coinbase ist damit nicht allein. Kraken hat in diesem Jahr ein Open-Source-Kommandozeilenwerkzeug und einen MCP-Server veröffentlicht, mit denen Agenten auf dieser Plattform handeln können. Robinhood startete im Mai eine Beta für Aktien und Optionen, die nach Unternehmensangaben mehr als 70.000 Konten anzog, mit Krypto als nächstem Schritt. Welcher Anbieter welche Form von Agentenzugang bietet, verfolgen wir in unser AI Leaderboard. Eine Übersicht aller Plattformen, die wir vergleichen, findest du in unserem Vergleich von Krypto-Börsen.
Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Kryptowährungen sind mit Risiken verbunden; du kannst deine Einlage (teilweise) verlieren.
