FSB warnt die G20: Fortgeschrittene KI-Modelle sind die unmittelbarste Cyberbedrohung für das Finanzsystem

FSB warnt die G20: Fortgeschrittene KI-Modelle sind die unmittelbarste Cyberbedrohung für das Finanzsystem

FSB-Vorsitzender Andrew Bailey hat die G20 gewarnt, dass fortgeschrittene KI-Modelle Geschwindigkeit, Ausmaß und Kosten von Cyberangriffen wesentlich verändern können. In seinem Brief bezeichnet er dies als derzeit unmittelbarste Sorge für das Finanzsystem, auch wegen der starken Konzentration externer Technologieanbieter. Die FSB fordert von Instituten eine bessere Wiederherstellungsfähigkeit und von Behörden Protokolle für die sichere Freigabe solcher Modelle. Im Euroraum läuft bereits ein paralleler Prozess: Die EZB erwartet von den von ihr beaufsichtigten Banken bis zum 31. Oktober einen Aktionsplan.

Das Financial Stability Board (FSB) hat die Finanzminister und Notenbankgouverneure der G20 gewarnt, dass fortgeschrittene KI-Modelle das Cyberrisiko für das Finanzsystem wesentlich verändern können. Das schreibt FSB-Vorsitzender Andrew Bailey, zugleich Gouverneur der Bank of England, in einem Brief vom 28. August 2026, den die FSB am 31. August veröffentlichte – im Vorfeld des G20-Treffens am 31. August und 1. September. Die mögliche Wirkung von Frontier-KI auf das Cyberrisiko ist Bailey zufolge derzeit die unmittelbarste Sorge für das Finanzsystem.

Mit Frontier-KI meint die FSB die derzeit fortschrittlichsten verfügbaren Modelle. Diese zeigen dem Brief zufolge zunehmend Autonomie und Problemlösungsfähigkeit – und damit auch größere Bedrohungskapazität. Sie könnten Geschwindigkeit, Ausmaß und Ökonomie von Cyberangriffen wesentlich verändern, was das Marktvertrauen systemweit untergraben könnte. Die FSB verweist dabei auf die starke Konzentration externer Dienstleister: Banken, Versicherer, Zahlungsdienstleister und Handelsplattformen stützen sich häufig auf dieselben Cloud- und Softwareanbieter, sodass eine Störung bei einem Anbieter gleichzeitig auf mehrere Institute durchschlagen kann. Der Brief hält zudem fest, dass Unterschiede zwischen Jurisdiktionen bei Rechtsrahmen, Cyberfähigkeiten und Wiederherstellungskapazität selbst zu einer Verwundbarkeit werden können, da sich ein Vorfall nicht an Landesgrenzen hält.

Die FSB fordert Finanzinstitute, Finanzmarktinfrastrukturen und Technologieanbieter auf, ihr Schwachstellenmanagement sowie ihre Reaktions- und Wiederherstellungsfähigkeiten zu stärken und sich auf Szenarien vorzubereiten, in denen mehrere Unternehmen oder gemeinsam genutzte Technologien gleichzeitig ausfallen. Bailey nennt dabei ausdrücklich die Fähigkeit, kritische Systeme und Daten nach einem schweren Cybervorfall von Bare Metal aus wieder aufzubauen. Von den Behörden verlangt er etwas anderes: Viele Jurisdiktionen verfügen dem Brief zufolge über keine Protokolle für Entwicklung, Freigabe und Einsatz fortgeschrittener KI-Modelle; eine sichere und verantwortungsvolle Freigabe zu unterstützen sollte Priorität haben. Die FSB prüft zudem, wie Finanzinstitute solche Modelle gerade für die Cyberabwehr sicher einsetzen können. Im Juni veröffentlichte die Organisation eine Konsultation zum verantwortungsvollen Einsatz von KI im Finanzsektor; die Stellungnahmen dazu erschienen am 6. August.

Was in Europa bereits läuft

Im Euroraum ist ein konkretes Aufsichtsverfahren bereits im Gang. Die Europäische Zentralbank schickte am 7. Juli 2026 ein Schreiben an die von ihr direkt beaufsichtigten Banken mit der Aufforderung, bis zum 31. Oktober 2026 einen Aktionsplan gegen KI-gestützte Cyberbedrohungen bei ihrem Joint Supervisory Team einzureichen. Diese Pflicht gilt für bedeutende Banken und nicht für Krypto-Plattformen. Bei Kryptoanbietern verläuft die operationale Resilienz über einen anderen Weg: Anbieter mit MiCA-Zulassung fallen unter DORA, die europäische Verordnung zur digitalen operationalen Resilienz, die seit dem 17. Januar 2025 gilt. DORA stellt Anforderungen an das IKT-Risikomanagement, die Meldung von Vorfällen, das Testen von Systemen und die Überwachung externer IKT-Dienstleister.

Und KI-Agenten, die selbst handeln?

Der Brief der FSB behandelt keine KI-Agenten, die im Namen von Nutzern handeln; das Thema kommt darin nicht vor. Für Nutzerinnen und Nutzer von Handelsplattformen ist es dennoch der Kontext, in dem die Meldung ankommt, denn mehrere Anbieter haben im vergangenen Jahr externen KI-Modellen Zugang zu Kundenkonten eröffnet. Kraken baut seine App um agentisches Handeln herum um, Coinbase bietet Agenten Zugang über eine eigene Agentenumgebung, und Robinhood lässt Agenten innerhalb eines abgetrennten Unterkontos handeln. Die Art dieses Zugangs unterscheidet sich deutlich je Anbieter: vom reinen Mitlesen bis zum tatsächlichen Platzieren von Orders, bei manchen Plattformen mit Freigabe je Order. Welcher Anbieter welche Form des Agentenzugangs bietet, verfolgen wir in unser AI Leaderboard.

Die Risiken dieses Agentenzugangs sind anderer Natur als das, worüber die FSB schreibt, berühren es aber. Der Zugang läuft in der Regel über API-Schlüssel, und ein Agent leitet seine Anweisungen aus Text ab, was Manipulation über sogenannte Prompt Injection möglich macht. Wer einem externen Agenten Zugang gewährt, tut dies auf Grundlage der Bedingungen der jeweiligen Plattform; was bei einem Fehler oder bei Missbrauch gilt, unterscheidet sich je Anbieter. Dass ein Anbieter eine MiCA-Lizenz besitzt, bedeutet zudem nicht, dass seine Agentenfunktionen gesondert genehmigt wären.

Die KI-Passage ist nicht das einzige Thema des Briefes. Bailey warnt auch, dass die Märkte anfällig für eine ungeordnete Korrektur bleiben, verweist auf Verwundbarkeiten im Private-Credit-Markt und auf Fragilitäten am Markt für Staatsanleihen und bezeichnet die Bewertungen riskanter Vermögenswerte als hoch, insbesondere jene KI-bezogener Investitionen. Zudem beobachtet er eine Zunahme des Einsatzes von Hebeln an den Aktienmärkten, unter anderem über gehebelte ETFs und Momentum-Strategien, auch durch Privatanleger. Eine Übersicht der von uns verglichenen Anbieter und der Aufsicht, der sie unterliegen, findet sich auf unserer Vergleichsseite.

Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar.