Nasdaq investiert 100 Millionen Dollar in Kraken-Mutter Payward und setzt auf tokenisierte Aktien
Der Börsenbetreiber Nasdaq steckt über seinen Wagniskapitalarm 100 Millionen Dollar in Payward, die Muttergesellschaft der Krypto-Börse Kraken. Die Investition bewertet Payward mit 21 Milliarden Dollar und baut auf einer im März angekündigten Partnerschaft auf. Kraken soll tokenisierte Nasdaq-Aktien vertreiben, die dieselben Stimmrechte tragen wie gewöhnliche Aktien.
Der US-Börsenbetreiber Nasdaq investiert 100 Millionen Dollar in Payward, die Muttergesellschaft der Krypto-Börse Kraken. Das berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag, dem 10. September, unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen; mehrere weitere Medien bestätigten die Meldung. Das Geld stammt von Nasdaq Ventures, dem Wagniskapitalarm des Börsenbetreibers, und bewertet Payward mit 21 Milliarden Dollar. Die Investition erweitert eine Partnerschaft, die beide Seiten im März dieses Jahres angekündigt hatten.
Im Zentrum dieser Partnerschaft steht der Vertrieb tokenisierter Aktien. Kraken soll auf der eigenen Plattform an der Nasdaq notierte Aktien in Tokenform anbieten. Anders als die meisten bestehenden Produkte für tokenisierte Aktien, die Inhabern lediglich eine Kursbeteiligung verschaffen, sollen diese Token nach Angaben der Beteiligten dieselben Stimmrechte tragen wie regulär gehandelte Aktien. Kraken bietet tokenisierte Aktien bereits über xStocks und über Payward Services an, den Geschäftskundenbereich des Unternehmens. Nasdaq will im zweiten Quartal 2027 einen eigenen Token auf den Markt bringen.
Die Bewertung von Payward wurde im vergangenen Jahr mehrfach angepasst. Das Unternehmen sammelte im November 2025 noch 800 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 20 Milliarden Dollar ein und legte denselben Betrag im April bei der angekündigten Übernahme der Derivatebörse Bitnomial zugrunde. Im selben Monat erwarb die Deutsche Börse für 200 Millionen Dollar einen Anteil von 1,5 Prozent an Payward, was nach der Berechnung von Bloomberg einer Bewertung von rund 13,3 Milliarden Dollar entsprach. Payward reichte im November vertraulich eine S-1-Registrierung für einen Börsengang ein, legte dieses Vorhaben im März jedoch auf Eis.
Nasdaq ist nicht der erste traditionelle Börsenbetreiber, der sich in diesem Jahr an einer Krypto-Börse beteiligt. Intercontinental Exchange, Eigentümerin der New York Stock Exchange, investierte im März bei einer Bewertung von 25 Milliarden Dollar in OKX, übernahm einen Sitz im Verwaltungsrat und vereinbarte, die tokenisierten Aktienmärkte der NYSE für OKX-Kontoinhaber zu öffnen. Zusammen mit dem Einstieg der Deutschen Börse im April ist die Investition von Nasdaq die dritte dieser Art innerhalb eines Jahres.
Für europäische Nutzerinnen und Nutzer ändert sich derzeit nichts Konkretes. Kraken verfügt seit Juni 2025 über eine MiCA-Lizenz der irischen Zentralbank und darf damit in der gesamten Europäischen Union Kryptodienstleistungen anbieten. Tokenisierte Aktien und Derivate fallen allerdings nicht unter MiCA, sondern unter das bestehende europäische Wertpapierrecht, darunter MiFID II. Welche der angekündigten Produkte am Ende in Deutschland, den Niederlanden oder Italien verfügbar sein werden und unter welcher Zulassung, geht aus der bisherigen Berichterstattung nicht hervor.
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